Die Save the Cat Beat Sheet ist eine Vorlage mit 15 zentralen Szenen – den sogenannten Beats –, die festlegt, was in deinem Roman wann passieren muss, damit die Geschichte funktioniert. Ursprünglich für Drehbücher entwickelt, lässt sie sich perfekt auf Romane jedes Genres übertragen. In diesem Artikel findest du jeden Beat erklärt mit Erzählbeispielen, den ungefähren Prozentwert, an dem er fallen sollte, und eine ausfüllbare Tabelle, mit der du Schritt für Schritt die Struktur deines eigenen Romans aufbauen kannst.
Du schreibst seit Wochen und plötzlich stockt alles. Nicht weil dir die Ideen fehlen – sondern weil du nicht weißt, wohin sie führen. Die Drei-Akt-Struktur gibt dir das Skelett, reicht aber oft nicht aus, um das häufigste Problem langer Romane zu lösen: zu wissen, welche Szene jetzt gebraucht wird. Genau hier verändert die beat sheet von Save the Cat die Spielregeln. Wenn du noch nicht sicher bist, ob du zu den Planern oder den Improviserern gehörst, schau zuerst in die Diskussion über Plotter vs. Pantser; wenn du dir bei deinem Bedarf nach einem Fahrplan sicher bist, lies weiter.
Was ist eine beat sheet und woher stammt Save the Cat?
Der Begriff beat sheet stammt aus der Welt des Filmdrehbuchs. Ein „Beat" ist ein narrativer Moment mit eigenem Gewicht: Irgendetwas verändert sich, wird enthüllt oder jemand trifft eine Entscheidung ohne Rückweg. Eine beat sheet ist schlicht die zeitlich geordnete Liste dieser Schlüsselmomente.
Blake Snyder war Drehbuchautor in Hollywood und veröffentlichte 2005 Save the Cat! The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need. Der Titel leitet sich von einer Technik ab, mit der der Zuschauer in den ersten Minuten Empathie für den Protagonisten entwickelt: Man zeigt ihn dabei, wie er etwas oder jemanden rettet, bevor der eigentliche Konflikt beginnt. Das Buch geht jedoch weit über diesen Trick hinaus: Es schlägt eine Methode mit 15 Beats und genauen Prozentwerten für ein 110-seitiges Drehbuch vor.
Was dazu führte, dass die beat sheet von Snyder vom Kino in die Literatur wanderte, ist die Tatsache, dass sie weder mit Genres noch mit konkreten Handlungen arbeitet, sondern mit der emotionalen Architektur jeder Geschichte. Die Instinkte, die einen Leser dazu bringen, ein Buch nicht weglegen zu können, sind dieselben, die einen Zuschauer im Kinosaal halten. Die Autorin Jessica Brody popularisierte die Romanadaption mit Save the Cat! Writes a Novel (2018), und seitdem gehört sie zu den meistgenutzten Planungswerkzeugen in Schreibergemeinschaften weltweit.
Beat sheet vs. Drei-Akt-Struktur: wann was einsetzen
Die Drei-Akt-Struktur ist der universellste Erzählrahmen: Exposition, Konflikt und Auflösung. Ihre Stärke liegt in ihrer Einfachheit – aber diese Einfachheit hat einen Preis: Zwischen dem Ende des ersten Akts und dem Beginn des dritten gibt es ein riesiges Terrain – den berühmten „zweiten Akt" –, in dem viele Romane feststecken oder an Tempo verlieren.
Die beat sheet ersetzt die Drei-Akt-Struktur nicht: Sie verfeinert sie. Die 15 Beats von Save the Cat leben innerhalb dieser Struktur und sagen dir genau, was im zweiten Akt passieren muss, damit die Geschichte den Rhythmus hält. Denk es so: Sind die drei Akte der Grundriss eines Gebäudes, ist die beat sheet die Raumaufteilung in jedem Stockwerk.
Nutze die Drei-Akt-Struktur, wenn du noch dabei bist, die allgemeine Idee zu formen und einen breiten Überblick brauchst. Nutze die beat sheet, wenn du weißt, worum es in deiner Geschichte geht, und wissen willst, welche Szene du morgen schreiben sollst. Beide Werkzeuge sind kompatibel und ergänzen sich.
Die 15 Szenen von Save the Cat, eine nach der anderen
Im Folgenden findest du jeden Beat mit seinem Namen, seiner Funktion, dem ungefähren Prozentsatz, an dem er in deinem Roman fallen sollte, und einem auf Romane angewandten Beispiel.
1. Eröffnungsbild (Opening Image) — 0–1 %
Die erste Szene oder das erste Bild des Buches. Es soll die Welt des Protagonisten so zeigen, wie sie ist, bevor die Veränderung einsetzt. Am Ende des Romans, wenn du zum Schlussbild gelangst, soll der Kontrast zwischen beiden zeigen, wie sehr sich alles gewandelt hat. In Stolz und Vorurteil zeigt die Eröffnung ein Zuhause, in dem Töchter gut heiraten müssen, um zu überleben; im Schlussteil wählt Elizabeth aus Liebe. Der Kontrast ist alles.
2. Themenaussage (Theme Stated) — 5 %
Jemand – eine Nebenfigur, der Antagonist, sogar der Protagonist ohne es zu ahnen – spricht aus oder handelt die zentrale Frage aus, der der Roman nachgehen wird. Das ist kein Monolog: Es ist ein Satz, der beiläufig klingt, aber die moralische These des Buches enthält. Der Protagonist versteht seine Bedeutung noch nicht; am Ende wird er es. „Niemand kann dir helfen, wenn du dir nicht selbst hilfst", gesagt in der ersten Szene eines Romans über eine Sucht, ist keine vorzeitige Moral – es ist der Samen, der 300 Seiten später aufgeht.
3. Exposition (Setup) — 1–10 %
Die Welt des Protagonisten wird in ihrem Ausgangszustand gezeigt – mit seinen Fehlern, Beziehungen und dem, was er glaubt zu brauchen (was aber nicht das ist, was er wirklich braucht). Hier werden auch alle Samen gepflanzt, die später aufblühen werden: Gegenstände, Nebenfiguren, Sätze, die im Rückblick Sinn ergeben. Eine gute Exposition fühlt sich nicht nach Erklärung an, sondern nach gelebtem Alltag, der schon etwas Fremdes an sich hat. Es ist der ideale Moment, um deine Hauptfiguren wirklich auszuarbeiten.
4. Auslöser (Catalyst) — 10 %
Das Ereignis, das den Status quo bricht und von dem es kein Zurück gibt. Ein Tod, ein Brief, eine Entlassung, eine Begegnung, ein enthülltes Geheimnis. Der Auslöser ist nichts, was der Protagonist bewirkt: Es passiert ihm. Es ist der Ruck, der die Geschichte in Gang setzt. In Die Tribute von Panem ist der Auslöser, dass Katniss sich freiwillig anstelle ihrer Schwester meldet. Alles davor war Exposition; alles danach ist Konsequenz.
5. Debatte (Debate) — 10–20 %
Nach dem Auslöser zögert der Protagonist. Nimmt er den Wandel an oder lehnt er ihn ab? Dieser Abschnitt ist keine passive Unentschlossenheit: Es ist der Moment, in dem der Leser versteht, was auf dem Spiel steht. Der Protagonist hat Angst, verhandelt mit sich selbst, sucht einen Ausweg, den es nicht gibt. Je klarer wird, was der Protagonist riskiert, wenn er den Schritt wagt, desto spannungsgeladener ist dieser Abschnitt.
6. Eintritt in den 2. Akt (Break into Two) — 20 %
Der Protagonist trifft die aktive Entscheidung, die ihn in den zweiten Akt schleudert. Es passiert ihm nichts mehr: Er wählt. Dieser Moment markiert das Ende der Welt „A" (der früheren Welt) und den Beginn der Welt „B" (der Konfliktswelt). Es ist die Entscheidung, die die Geschichte definiert: Frodo beschließt, den Ring zu tragen; Elizabeth entscheidet, Darcy nach seinen Taten und nicht nach seinem Geld zu beurteilen. Ohne diese aktive Entscheidung ist der Protagonist ein Opfer, kein Held.
7. Handlungsstrang B (B Story) — 22 %
Eine Nebenhandlung taucht auf oder wird aktiviert – meistens eine Beziehung: romantisch, freundschaftlich oder als Mentorverhältnis –, die das emotionale Vehikel des Themas sein wird. Während Handlungsstrang A auf der Aktionsebene voranschreitet, erkundet Handlungsstrang B die Innenebene. Am Ende wird die Auflösung des Handlungsstrangs B diejenige sein, die dem Protagonisten ermöglicht, Handlungsstrang A aufzulösen. Es sind keine getrennten Linien: Sie sind die zwei Seiten derselben Transformation.
8. Spaß und Spiel (Fun and Games) — 20–50 %
Der längste Abschnitt des Romans. Hier lebt der Protagonist die Konsequenzen seiner Entscheidung aus Beat 6: Er erkundet die neue Welt, begegnet ersten Hindernissen und feiert erste Siege. Das ist das „Versprechen der Prämisse": Wenn dein Roman von einem Schriftsteller handelt, der in die Welt der Magier eintaucht, sieht man hier Zaubersprüche, Duelle und Bündnisse. Es muss nicht alles Aktion sein – es schließt auch Humor, Spannung, sexuelle Anziehung und Entdeckung ein. Was nicht fehlen darf, ist Vorwärtsbewegung.
9. Mittelpunkt (Midpoint) — 50 %
Genau in der Mitte des Buches verändert sich etwas an der Natur des Konflikts. Das kann ein falscher Sieg sein (der Protagonist glaubt, sein Ziel erreicht zu haben, aber die eigentliche Gefahr steht noch bevor) oder eine falsche Niederlage (alles scheint verloren, aber in Wirklichkeit ist es der Moment, in dem der Protagonist sich wirklich committet). Der Mittelpunkt erhöht den Einsatz und schließt den Rückzugsweg: Ab hier wird die Geschichte drängender.
10. Die Bösen schließen ein (Bad Guys Close In) — 50–75 %
Nach dem Mittelpunkt wird alles systematisch schlimmer. Die Antagonisten – äußere oder innere – gewinnen an Boden. Die Bündnisse des Protagonisten schwächen sich ab, seine Pläne scheitern und seine Fehler beginnen, ihn teuer zu kommen. Dieser Abschnitt muss sich wie eine Abwärtsspirale anfühlen. Das ist kein narrativer Pessimismus: Es ist die notwendige Vorbereitung, damit der finale Schlag wirklich Gewicht hat.
11. Alles verloren (All Is Lost) — 75 %
Der dunkelste Moment des Romans. Der Protagonist verliert das, was ihm am meisten bedeutet: eine Beziehung, eine Chance, einen Menschen. Snyder besteht darauf, hier das einzuschließen, was er einen „whiff of death" (einen Hauch des Todes) nennt, symbolisch oder wörtlich. Jemand stirbt, etwas endet für immer oder der Protagonist zerstört das, was er zu schützen versuchte. Dieser Beat muss dem Leser wirklich wehtun.
12. Dunkle Nacht der Seele (Dark Night of the Soul) — 75–80 %
Der Protagonist erreicht seinen emotionalen Tiefpunkt. Er ist allein, zerstört und ohne Antworten. Dieser Abschnitt ist keine Aktion: Es ist Introspektion in ihrer rohsten Form. Und in dieser Stille – genau dann, wenn es keinen Ausweg mehr zu geben scheint – kommt die Erkenntnis. Nicht von außen: von innen. Der Protagonist versteht etwas über sich selbst, über das Thema des Buches, das er zuvor nicht sehen konnte. Dieses Verstehen ist es, was ihm erlaubt, den nächsten Schritt zu tun.
13. Eintritt in den 3. Akt (Break into Three) — 80 %
Mit der Erkenntnis der dunklen Nacht entscheidet der Protagonist, zu handeln. Diesmal in vollem Bewusstsein, was auf dem Spiel steht und wer er wirklich ist. Die Entscheidung, die er hier trifft, ist die transformierte Antwort auf Beat 5 (die Debatte): Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr, nur Handlung. Es beginnt der Schlusssprint.
14. Finale (Finale) — 80–99 %
Höhepunkt und Auflösung. Der Protagonist wendet das Gelernte an, um den äußeren Antagonisten zu besiegen. Der eigentliche Kampf ist jedoch innerlich: Er muss den Fehler überwinden, der ihn von Anfang an gebremst hat, um gewinnen zu können. Die Nebenfiguren erhalten ihren Abschluss, die Nebenhandlungen lösen sich auf und die Welt des Romans ist unwiderruflich verändert.
15. Schlussbild (Final Image) — 99–100 %
Das Spiegelbild des Eröffnungsbilds. Dieselbe Situation, dieselben Elemente, aber alles hat sich verändert. Der Kontrast zwischen beiden Bildern soll wortlos den gesamten Bogen des Protagonisten zeigen. Hast du mit einer Figur angefangen, die eingesperrt zu Hause aus dem Fenster schaut, ende mit ihr, wie sie die Tür öffnet. Die visuelle Sparsamkeit dieses Mittels ist vernichtend, wenn es gut ausgeführt ist.
Wie man die beat sheet vom Drehbuch auf den Roman überträgt
Der wichtigste Unterschied zwischen Drehbuch und Roman ist der Umfang: Ein Standarddrehbuch hat 110 Seiten; ein Genre-Roman hat in der Regel zwischen 80.000 und 120.000 Wörtern. Das bedeutet, dass jeder Beat keine Seite ist, sondern potenziell mehrere Kapitel.
Bei der Anpassung auf Romane gibt es drei wesentliche Anpassungen. Erstens die Länge der variablen Beats: „Spaß und Spiel" kann 20 oder 30 Kapitel umfassen; „Eröffnungsbild" und „Themenaussage" sind oft nur eine einzige Szene. Nicht alle Beats haben dasselbe Seitengewicht. Zweitens die Nebenhandlungen: Der Roman verträgt mehr Handlungslinien als das Drehbuch. Jede Nebenhandlung kann ihre eigene kleine interne beat sheet haben, mit ihrem eigenen Auslöser, Mittelpunkt und Auflösung. Drittens der interne Rhythmus der Kapitel: Im Roman musst du den Rhythmus innerhalb jedes Kapitels genauso steuern wie zwischen den Kapiteln. Die Beats der beat sheet sind Wendepunkte der Gesamtgeschichte, nicht jeder einzelnen Szene.
Ein häufiger Fehler ist der Versuch, jedem Kapitel einen Beat zuzuordnen. Das funktioniert so nicht. Die Beats sind strukturelle Anker der gesamten Geschichte, nicht jeder Schreibeinheit. Du kannst 40 Kapitel und 15 Beats haben, und es ist völlig normal, dass manche Beats mitten in einem Kapitel fallen, ohne dass es jemand merkt.
Deine beat sheet in 15 Zeilen
Die praktischste Art, mit Save the Cat zu arbeiten, ist eine Tabelle mit den 15 Szenen zu erstellen und sie mit den Daten deines konkreten Romans auszufüllen. Hier ist die Grundvorlage. Wenn du das Planning Board von Scriptum verwendest, kannst du diese Struktur direkt als Karten in Spalten aufbauen, den gesamten Bogen auf einen Blick sehen und Beats umordnen, ohne den Faden zu verlieren.
| # | Beat | % ca. | Was in deinem Roman passiert |
|---|---|---|---|
| 1 | Eröffnungsbild | 0–1 % | Deine Ausgangswelt vor der Veränderung… |
| 2 | Themenaussage | 5 % | Die zentrale Frage, die jemand unbewusst ausspricht… |
| 3 | Exposition | 1–10 % | Alltag, Fehler und gepflanzte Samen… |
| 4 | Auslöser | 10 % | Das Ereignis, das den Status quo bricht… |
| 5 | Debatte | 10–20 % | Das Zögern und der Preis der Veränderung… |
| 6 | Eintritt in den 2. Akt | 20 % | Die aktive Entscheidung, die den Protagonisten antreibt… |
| 7 | Handlungsstrang B | 22 % | Die Beziehung, die das Thema emotional trägt… |
| 8 | Spaß und Spiel | 20–50 % | Das Versprechen der Prämisse in Aktion… |
| 9 | Mittelpunkt | 50 % | Falscher Sieg oder falsche Niederlage, die den Einsatz erhöht… |
| 10 | Die Bösen schließen ein | 50–75 % | Die Abwärtsspirale: Scheitern und zerbrochene Bündnisse… |
| 11 | Alles verloren | 75 % | Der schmerzhafteste Verlust der Geschichte… |
| 12 | Dunkle Nacht der Seele | 75–80 % | Der emotionale Tiefpunkt und die innere Erkenntnis… |
| 13 | Eintritt in den 3. Akt | 80 % | Die transformierte Entscheidung, die den Schlusssprint eröffnet… |
| 14 | Finale | 80–99 % | Höhepunkt, Auflösung der Nebenhandlungen und transformierte Welt… |
| 15 | Schlussbild | 99–100 % | Das Spiegelbild der Eröffnung: der Kontrast, der alles zeigt… |
Häufige Fehler mit Save the Cat (und wie man die Formel vermeidet)
Die größte Angst von Autoren vor jedem Strukturwerkzeug ist, die eigene Stimme zu verlieren. Diese Angst ist berechtigt – aber sie entsteht meistens aus einem Missverständnis darüber, was die beat sheet eigentlich tut.
Fehler 1: Sie mechanisch anwenden, ohne das „Warum" zu verstehen. Jeder Beat existiert, weil er einem emotionalen Bedürfnis des Lesers entspricht – nicht weil Snyder es so gesagt hat. Wenn du Beat 11 („Alles verloren") mit etwas füllst, das nicht wirklich wehtut, merkt der Leser das, auch wenn der Prozentwert stimmt. Die beat sheet ist kein Vertrag; sie ist eine Orientierungshilfe, um die emotionale Struktur deiner Geschichte ernst zu nehmen.
Fehler 2: Die Vorlage mit der Handlung verwechseln. Die beat sheet legt fest, wann die Schlüsselmomente eintreten sollen, nicht was sie sein sollen. Zwei Autorinnen, die dieselbe beat sheet verwenden, können radikal verschiedene Romane schreiben, weil ihre Figuren, Welten und Stimmen einzigartig sind.
Fehler 3: Die Prozentwerte auf die Stelle genau einhalten. Die Prozentangaben sind Richtwerte. Wenn dein Mittelpunkt bei 48 % oder 53 % liegt, fällt das niemandem auf. Was zählt, ist dass sich die Geschichte am richtigen Ort anfühlt, nicht dass der Wortzähler die richtige Zahl anzeigt.
Fehler 4: Vergessen, dass die beat sheet zum Planen da ist, nicht zur Überarbeitung. Sie zur Analyse des fertigen Entwurfs zu verwenden, kann lähmen. Nutze sie vor dem Schreiben oder zwischen erstem und zweitem Entwurf, wenn du noch Teile verschieben kannst, ohne dass es schmerzt.
Wenn du dir Sorgen machst, dass jede Struktur die Originalität deines Romans gefährdet, denk daran: Einen Roman anzufangen bringt immer Überraschungen hervor, die keine Vorlage vorwegnehmen kann. Die Struktur ist die Karte; die Reise bleibt deine.
Eine beat sheet macht nicht aus allen Geschichten dieselbe, genauso wenig wie Gebäudepläne alle Häuser gleich machen. Das Gerüst ist dasselbe; was du darauf baust, gehört vollständig dir.
Deine beat sheet mit Aura erstellen
Eine der nützlichsten Anwendungen von Aura, der KI von Scriptum, ist die Hilfe beim Aufbau deiner beat sheet, wenn die leere Seite dich lähmt. Ausgehend von deiner Prämisse – Protagonist, Kernkonflikt und Genre – schlägt Aura die 15 Beats vor, angepasst an deine konkrete Geschichte, mit dem Ton und den Besonderheiten deiner Erzählwelt.
Der Wert liegt nicht darin, den Vorschlag so zu übernehmen: Er liegt darin, einen soliden Ausgangspunkt zu haben, den du hinterfragen, anpassen und zu deinem eigenen machen kannst. Aura liefert das Gerüst; du entscheidest über das Gebäude. Vom Planning Board von Scriptum aus kannst du diese 15 Karten aufbauen, sie neu anordnen, Figurennotizen hinzufügen und deine gesamte Struktur entwickeln, ohne die Schreibumgebung zu verlassen.
Häufig gestellte Fragen
Funktioniert Save the Cat auch für Romane oder nur für Drehbücher?
Save the Cat wurde als Werkzeug für Drehbuchautoren entwickelt, funktioniert aber genauso gut für Romane. Dieselben narrativen Instinkte, die einen Film fesselnd machen, wirken auch beim Leser: die Identifikation mit dem Protagonisten, die Neugier auf den weiteren Verlauf und das Gefühl, dass jede Szene auf etwas hinführt. Der wichtigste Unterschied liegt in der Länge: Im Drehbuch dauert jeder Beat wenige Minuten; im Roman kann er mehrere Kapitel umfassen. Die zugrunde liegende Struktur ist dieselbe.
Wie viele Wörter sollte jeder Beat in einem Roman umfassen?
Das hängt vom Gesamtumfang des Romans ab, nicht von einer festen Zahl. Nutze die Prozentangaben: Hat dein Roman 90.000 Wörter, sollte der Auslöser (Beat 4) bei etwa 9.000 Wörtern liegen (10 %). Der Mittelpunkt liegt bei rund 45.000. Manche Beats sind konkrete Szenen von wenigen Seiten; andere wie „Spaß und Spiel" können mehrere aufeinanderfolgende Kapitel umfassen.
Ist eine beat sheet dasselbe wie ein Treatment?
Nicht ganz. Ein Treatment ist eine geordnete Liste aller Szenen ohne weitere Struktur als die chronologische Reihenfolge. Eine beat sheet gruppiert Szenen in 15 narrative Momente mit einem bestimmten dramatischen Gewicht und einem ungefähren Prozentsatz am Gesamtwerk. Die beat sheet ist skelettartiger und strategischer; das Treatment ist detaillierter und operativer. Üblicherweise plant man mit der beat sheet und entwickelt mit dem Treatment.
Kann ich Save the Cat für Fantasy, Romance oder Thriller nutzen?
Ja. Die 15 Beats sind genreunabhängig, weil sie die emotionale Struktur des Protagonisten abbilden, nicht die Ereignisse des Genres. In Fantasy kann der Auslöser ein Ruf in eine magische Welt sein; in Romance die erste Begegnung mit dem Liebesinteresse; im Thriller die anfängliche Bedrohung. Die beat sheet schreibt nicht vor, was passiert, sondern wann jeder entscheidende emotionale Moment eintreten muss.
Macht Save the Cat alle Geschichten gleich?
Nur wenn man sie mechanisch anwendet. Die beat sheet ist ein Gerüst, kein Gebäude: Sie legt fest, wann der Protagonist eine Schwelle überschreiten oder den Tiefpunkt erreichen muss, nicht wer er ist, was er verliert oder wie der Autor die Geschichte erzählt. Zwei Romane mit derselben beat sheet können völlig verschieden sein. Die wirkliche Gefahr liegt nicht in der Struktur, sondern darin, nicht zu verstehen, warum jeder Beat existiert, und ihn ohne Überzeugung auszufüllen.
Kann ich meine beat sheet mit KI erstellen?
Ja, und das ist eine der effizientesten Methoden, um anzufangen. Mit Aura, der KI von Scriptum, kannst du von deiner Prämisse ausgehen und einen Vorschlag für alle 15 Beats erhalten, der auf dein Genre und deine Figuren zugeschnitten ist. Das Wertvolle ist nicht, ihn so zu übernehmen, sondern ihn als Ausgangspunkt zu nutzen, um ihn zu hinterfragen, anzupassen und zu deinem eigenen zu machen. Die KI liefert das Gerüst; du entscheidest über das Gebäude.
Fazit
Die Save the Cat Beat Sheet ist keine Falle, um Romane am Fließband zu produzieren: Sie ist eine Röntgenaufnahme davon, wie Geschichten funktionieren, die man nicht weglegen kann. Blakes Snyders 15 Beats kartieren die emotionale Architektur, die Leser erwarten – oft ohne es zu wissen – und die Schriftsteller aufbauen – oft intuitiv – in den besten Romanen. Diese Karte zu haben, beschneidet deine Kreativität nicht; sie befreit dich, sie dort einzusetzen, wo es wirklich darauf ankommt.
Nutze sie als Ausgangspunkt, nicht als Korsett. Füll die Vorlage mit deiner Prämisse aus, platziere deine Beats im Planning Board, passe an, was nicht passt, und fang an zu schreiben. Die Struktur ist das Gerüst; der Roman ist deiner. Und wenn du tiefer in die Figuren eintauchen möchtest, die diese 15 Beats bevölkern werden, lies die Anleitung dazu, wie man unvergessliche Charaktere erschafft.