Einen Einheitspreis für Romanlektorat gibt es nicht — und wer dir einen nennt, ohne deinen Text gesehen zu haben, erzählt dir ein Märchen. Was es gibt, sind öffentliche, überprüfbare Preise: In Deutschland unterscheidet der Markt streng zwischen Korrektorat (Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung) und Lektorat (Stil und Inhalt) und rechnet pro Normseite ab. Anbieter mit veröffentlichten Preisen nennen ab 4,00 € pro Normseite fürs Korrektorat und rund 9,50 bis 12 € pro Normseite für Lektorat beziehungsweise Komplettpakete; die amerikanische EFA publiziert für Belletristik 0,012 bis 0,035 $ pro Wort. Für einen Roman mit 80.000 Wörtern ergeben sich daraus — je nachdem, was du beauftragst — Beträge zwischen rund 690 € und 3.840 €. In diesem Guide siehst du jeden Preis mit Quelle und Abrufdatum, ein durchgerechnetes Beispiel und eine KI-Methode, um mit sauberem Manuskript ins Lektorat zu gehen und weniger zu bezahlen.
Der Roman ist fertig. Du holst drei Angebote ein und bekommst drei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben: Eines rechnet pro Normseite, eines pro Stunde, eines nennt eine Pauschale. Wirst du über den Tisch gezogen? Ziemlich sicher nicht: Da wird schlicht Verschiedenes gemessen. Dieser Artikel bringt Ordnung hinein — mit einer Regel, die du zu schätzen lernen wirst: Hier steht keine einzige Zahl ohne offene Quelle und Abrufdatum. Und wenn du noch in der Phase bist, in der du dein Manuskript selbst überarbeitest, fang am besten mit dem Leitfaden zum Selbstlektorat in drei Stufen an, bevor wir über Geld reden.
Die schnelle (und ehrliche) Zahl: warum „kommt drauf an“ keine Ausrede ist
Fangen wir mit dem Unbequemen an: Einen „offiziellen Preis“ fürs Lektorat gibt es nicht. Der Beruf ist in Deutschland nicht gesetzlich geregelt — keine Kammer, keine Gebührenordnung wie bei Ärzten oder Anwälten —, und der Branchenverband VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren) nennt bewusst keine konkreten Honorare, weil er als Verband den freien Wettbewerb nicht beeinträchtigen darf (abgerufen am 22. Juli 2026). Wenn dir also eine Website „den branchenüblichen Standardtarif“ verkauft: Misstrauen. Den hat niemand gemessen.
Was man stattdessen tun kann — und genau das tut dieser Artikel —, ist konkrete Preise zu sammeln, die Profis offen auf ihren Websites veröffentlichen, mit Link und Datum, und dir das Vergleichen beizubringen. Der Endpreis deines Lektorats hängt von vier Variablen ab, alle vier logisch: der Art der Bearbeitung (Tippfehler jagen kostet weniger als Sätze umbauen), dem Zustand des Textes (Lektorate kalkulieren nach einer Textprobe), dem Umfang (bezahlt wird nach Menge, nicht pro Buch) und dem Markt (ein Lektor in Berlin und eine Lektorin in Boston leben in verschiedenen Ökonomien).
Merk dir eine Idee, bevor die Tabellen kommen: Das Angebot misst nicht nur die Arbeit des Lektorats — es misst, wie viel Arbeit du ihm übrig lässt.
Lektorat, Korrektorat und Co.: die vier Stufen, ein für alle Mal erklärt
Die Hälfte aller Angebots-Schocks entsteht genau hier: Ein Korrektorat mit einem Lektorat zu vergleichen ist, als würdest du einen Ölwechsel mit einer Motorüberholung vergleichen. Der deutsche Buchmarkt unterscheidet vier Stufen — und weil die US-Preise der EFA später nach demselben Raster sortiert sind, bekommst du die englischen Begriffe gleich mit:
| Stufe | Was geprüft wird | Englischer Begriff | Wann sie drankommt |
|---|---|---|---|
| Inhaltslektorat / Manuskriptlektorat | Struktur, Plot, Figuren, Tempo, Dramaturgie, Logiklöcher | Developmental editing | Mit fertigem Entwurf, vor allem anderen |
| Stilistisches Lektorat | Satz für Satz: Klarheit, Wiederholungen, Füllwörter, Register, Rhythmus | Line editing | Wenn die Struktur steht |
| Korrektorat | Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, einheitliche Schreibweisen | Copyediting | Auf dem stilistisch fertigen Text |
| Druckfahnenkorrektur / Schlusskorrektur | Letzte Fehler und Satzunfälle im fertig gesetzten Buch | Proofreading | Letzter Durchgang vor Druck oder E-Book |
Die Reihenfolge ist so wichtig wie die Stufe selbst. Jede Ebene setzt voraus, dass die vorherige erledigt ist: Niemand poliert die Kommas eines Kapitels, das vielleicht gestrichen wird. Genau deshalb arbeiten Verlage in dieser Kaskade — und genau deshalb ist ein Korrektorat vor dem stilistischen Lektorat verbranntes Geld: Jede spätere Umformulierung sät neue Fehler.
Wie ein Lektorat abrechnet: Normseite, Stunde oder Pauschale
Zweite Verwirrungsquelle: die Abrechnungseinheit. Im deutschsprachigen Raum leben drei Systeme nebeneinander, und Angebote zu vergleichen, ohne sie auf eine Einheit zu bringen, ist wie Obstpreise vergleichen, wenn einer pro Kilo und einer pro Stück verkauft.
- Pro Normseite. Der Klassiker des deutschen Buchmarkts. Die Normseite stammt aus der Schreibmaschinenzeit — 30 Zeilen à 60 Anschläge — und der VFLL beziffert sie auf rund 1.500 bis 1.650, selten auch 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen (abgerufen am 22. Juli 2026). Genau diese Spanne ist die Falle: Frag bei jedem Seitenpreis nach, mit wie vielen Zeichen gerechnet wird.
- Pro Stunde. Üblich bei inhaltlicher Beratung und in den USA. Die am schwersten vergleichbare Einheit, weil sie von der Geschwindigkeit des Profis und vom Zustand deines Textes abhängt.
- Pauschal. Ein Festpreis fürs ganze Projekt, meist nach Textprobe kalkuliert. Bequem — aber lass dir aufschlüsseln, auf welcher Seitenzahl und welcher Normseitendefinition die Pauschale beruht.
Die Umrechnung ist Schulmathematik: Deutsche Erzählprosa liegt — je nach Stil — bei grob sechs bis sieben Zeichen pro Wort, das Leerzeichen mitgezählt. Ein Roman mit 80.000 Wörtern kommt damit auf etwa 480.000 bis 560.000 Zeichen, also rund 300 bis 350 Normseiten à 1.600 Zeichen. Damit kannst du jedes Angebot auf €/Normseite oder €/1.000 Zeichen herunterbrechen und wirklich vergleichen.
Preise in Deutschland: der VFLL und drei Anbieter mit öffentlichen Preisen
In Deutschland gibt es also keinen offiziellen Tarif — aber es gibt Profis, die ihre Preise offen auf der eigenen Website veröffentlichen. Hier sind drei öffentliche Quellen, alle abgerufen am 22. Juli 2026; wo der Anbieter es angibt, sind es Bruttopreise:
| Quelle (veröffentlichter Preis) | Korrektorat | Lektorat | Veröffentlichte Hinweise |
|---|---|---|---|
| SKRIPTART | ab 4,00 €/Normseite | nur nach Textprobe kalkulierbar; Komplettpaket Korrektorat + Romanlektorat ca. 12,00 €/Normseite | Normseite für Belletristik: 1.500 Zeichen inkl. Leerzeichen; Probelektorat pauschal 150 €; Bruttopreise |
| Fehler-Haft (Autorenlektorat) | Minimalkorrektur 2,44–2,51 €/NS; Intensivkorrektur 3,32–3,49 €/NS | 9,46–9,64 €/Normseite (nach Umfangsstaffel) | Normseite: 1.700 Anschläge (vereinfachte Umrechnung); Preise inkl. 19 % MwSt. |
| Lektorat Bauer | — | Orientierung: seriöse Lektorate ab ca. 7 € brutto/Normseite; große Agenturen teils ab 4 € | Normseite: 1.500 Zeichen mit Leerzeichen; eigenes Rechenbeispiel: 300 Normseiten ≈ 2.100 €; kostenloses Probelektorat |
Achte auf das ehrliche Detail, das alle drei Quellen teilen: Der genaue Preis wird nach der Textprobe festgelegt. Das ist kein Verkaufstrick, sondern professioneller Menschenverstand: Ein poliertes Manuskript zu bearbeiten kostet nun einmal weniger Stunden als eines, das in jedem Absatz operiert werden muss. Und genau da liegt dein erster Sparhebel — wir kommen bei der KI-Methode darauf zurück.
Noch ein Wort zur Steuer: Die zitierten Anbieter nennen Bruttopreise. Andere kalkulieren netto plus 19 % Umsatzsteuer — und wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, weist gar keine aus. Ein Netto-Angebot über 2.000 € sind 2.380 € auf der Überweisung. Frag es immer schriftlich nach.
Preise in den USA: was die EFA veröffentlicht
Die USA haben etwas, das es im deutschsprachigen Raum nicht gibt: einen Verband, der Medianspannen nach Leistungsart veröffentlicht. Die Editorial Freelancers Association (EFA) befragt ihre Mitglieder (letzte Erhebung: November 2025 bis Mitte Januar 2026; abgerufen am 22. Juli 2026) und publiziert für Belletristik diese Spannen:
| Leistung (Belletristik) | $ pro Wort | $ pro Stunde |
|---|---|---|
| Developmental editing (Inhaltslektorat) | 0,030–0,035 $ | 52,50–70 $ |
| Line editing (stilistisches Lektorat) | 0,027–0,035 $ | 50–60 $ |
| Copyediting (Korrektorat) | 0,020–0,027 $ | 40–50 $ |
| Proofreading (Schlusskorrektur) | 0,012–0,020 $ | 35–45 $ |
Zwei Warnhinweise zum Lesen dieser Tabelle. Erstens: Das sind Medianspannen aus einer Mitgliederbefragung, keine garantierten Preise; es gibt Profis darüber und darunter. Zweitens: Wenn du nach Stunden beauftragst, frag, wie viele Wörter pro Stunde in einem Text wie deinem geschafft werden — ohne diese Zahl sagt dir der Stundensatz nichts. Zur Einordnung, mit dem ungefähren Kurs am Abrufdatum (1 € ≈ 1,14 $, 22. Juli 2026): Das EFA-Copyediting entspricht etwa 0,018–0,024 €/Wort — auf die Normseite à 1.600 Zeichen umgerechnet grob 4,50 bis 6 €, also dieselbe Größenordnung wie die deutschen Korrektoratspreise, eher am oberen Rand.
Und in Österreich und der Schweiz? Ehrliche Antwort und Vergleichstechnik
Der deutschsprachige Markt endet nicht an der deutschen Grenze — aber sagen wir es ohne Umschweife: Für Österreich und die Schweiz haben wir keine stabilen, öffentlich einsehbaren Preislisten gefunden, die wir hier seriös zitieren könnten. Einzelne Zahlen kursieren im Netz, aber lieber nennen wir dir keine Zahl als eine erfundene. Die gute Nachricht: Du brauchst sie nicht. Mit der Einheiten-Technik von oben — alles auf €/Normseite samt Zeichenzahl oder auf €/1.000 Zeichen bringen — holst du dir zwei, drei lokale Angebote ein und vergleichst sie in Minuten gegen die deutschen und amerikanischen Referenzen aus diesem Artikel.
Ein wichtiger Punkt, wenn du über Grenzen hinweg beauftragst (Schweizer Lektorat, deutsche Autorin — oder umgekehrt): Frag, in welcher Währung fakturiert wird und wer Wechselkurs- und Überweisungsgebühren trägt. Ein hervorragendes Angebot in CHF kann mit 6 % Gebühren obendrauf keines mehr sein.
Durchgerechnet: ein Roman mit 80.000 Wörtern
Holen wir das alles auf den Boden, mit dem typischsten Fall: ein Roman mit 80.000 Wörtern. Unsere deklarierte Annahme: rund sechs Zeichen pro Wort inklusive Leerzeichen, also etwa 480.000 Zeichen ≈ 300 Normseiten à 1.600 Zeichen. (Deutsche Prosa kann auch bei sieben Zeichen pro Wort liegen — dann sind es entsprechend mehr Normseiten; rechne mit deiner echten Zeichenzahl nach.) Da jeder Anbieter seine eigene Normseite definiert, rechnen wir jede Zeile mit der Definition ihrer Quelle; die Spannen stammen ausschließlich aus den oben zitierten öffentlichen Preisen — sie sind kein Marktdurchschnitt und wollen auch keiner sein:
| Leistung | Deutschland (zitierte Preise, brutto) | USA (EFA-Spannen) |
|---|---|---|
| Inhaltslektorat / developmental | Keine feste Preisliste in den zitierten Quellen (Angebot nach Textprobe) | 2.400–2.800 $ (≈ 2.100–2.450 €) |
| (Stilistisches) Lektorat / line editing | ≈ 2.240–2.670 € (Bauer-Orientierung ab 7 €/NS × 320 NS à 1.500 Zeichen; Fehler-Haft 9,46 €/NS × ca. 282 NS à 1.700 Zeichen) | 2.160–2.800 $ (≈ 1.900–2.450 €) |
| Korrektorat / copyediting | ≈ 690–1.280 € (Fehler-Haft 2,44–3,32 €/NS × ca. 282 NS; SKRIPTART ab 4,00 €/NS × 320 NS) | 1.600–2.160 $ (≈ 1.400–1.900 €) |
| Paket Korrektorat + Romanlektorat | ≈ 3.840 € (SKRIPTART ca. 12,00 €/NS × 320 NS à 1.500 Zeichen) | Schlusskorrektur einzeln: 960–1.600 $ (≈ 840–1.400 €) |
So liest du die Tabelle: Der deutsche Boden beim Korrektorat (rund 690 €) kommt von der Minimalkorrektur von Fehler-Haft, die Decke (1.280 €) vom SKRIPTART-Einstiegspreis auf mehr Normseiten, weil dessen Normseite kleiner ist — du siehst live, warum die Zeichenzahl der Normseite kein Kleingedrucktes ist. Beim Lektorat reicht die Spanne von der Bauer-Orientierung „ab 7 € brutto“ bis zur Fehler-Haft-Preisliste; die Euro-Werte der EFA-Spalte nutzen den bereits zitierten Kurs. Und wichtig: Das sind Rechnungen mit konkreten, öffentlichen Preisen einzelner Anbieter — dein Angebot darf davon abweichen, nach oben wie nach unten.
Und wenn du mehrere Stufen brauchst? Das ist der Normalfall: erst Lektorat, dann Korrektorat. Das SKRIPTART-Komplettpaket setzt genau dafür die Marke von rund 3.840 € für unsere 80.000 Wörter; kombinierst du stattdessen die Einzelpreise von Fehler-Haft, landest du bei etwa 3.360 € (Lektorat plus Intensivkorrektur). Billig ist das nicht. Genau deshalb ist es klug, den Teil billiger zu machen, den du selbst erledigen kannst.
Was du selbst mit KI erledigen kannst, bevor du bezahlst
Schau noch einmal auf die drei deutschen Quellen: Alle passen den Preis dem Zustand des Textes an. Das ist die Variable, die du kontrollierst. Ein sauberes Manuskript ist schneller bearbeitet, qualifiziert sich für den unteren Rand der Preisspanne, und wenn nach Stunden abgerechnet wird, verbrennt es weniger Stunden. Jeder Fehler, den du selbst fängst, ist Profi-Zeit, die du nicht bezahlst.
Hier ändert eine KI, die deinen Roman kennt, die Spielregeln. In Scriptum arbeitet die Assistentin Aura direkt im Editor und mit dem Kontext deiner Geschichte — du kannst also systematisch in Durchgängen selbst überarbeiten, jeder mit genau einem Ziel (wie Aura in Scriptum arbeitet, siehst du hier):
- Durchgang 1 — Wiederholungen und Füllwörter. Lass Aura Wortdopplungen im selben Absatz aufspüren, deine persönlichen Füllwörter („eigentlich“, „irgendwie“, „plötzlich“, „dann“) und die farblosen Allzweckverben. Genau der Schmutz, dessen Beseitigung ein stilistisches Lektorat in Rechnung stellt.
- Durchgang 2 — Grammatik und Zeiten. Kongruenz von Kasus und Numerus, unmotivierte Tempuswechsel, Pronomen ohne klaren Bezug. Mechanische Fehler, die KI Kapitel für Kapitel zuverlässig findet.
- Durchgang 3 — Rhythmus. Schachtelsätze über drei Zeilen, Adjektivketten, monolithische Absätze. Lass dir die Diagnose geben und entscheide selbst, was du umschreibst: Das Urteil bleibt deins.
- Durchgang 4 — Innere Kohärenz. Namen, die ihre Schreibweise wechseln, Augen, die die Farbe wechseln, unmögliche Chronologien. Mit der Weltenbibel von Scriptum prüft Aura den Text gegen die Steckbriefe deiner Figuren und Orte, statt sich aufs Gedächtnis zu verlassen.
Wie viel drückt das die Rechnung? Ehrlich: Es gibt keinen universellen Prozentsatz, den man versprechen könnte — und wer ihn verspricht, lügt. Überprüfbar ist der Mechanismus: Die zitierten Preise werden nach einer Textprobe festgelegt, und zwischen dem unteren und oberen Rand derselben Quelle können mehr als 50 % liegen. Sauber anzuliefern ist der direkteste Weg, um den unteren Rand zu verhandeln. Und es gibt einen Bonus, der in keiner Tabelle steht: Ein sauberer Text lässt den Profi seine Stunden in das stecken, was dein Buch wirklich besser macht — statt in Kommas.
Was KI nicht ersetzt (und das sagen wir sehr deutlich)
Wir sind eine Software-Firma mit KI im Produkt, und trotzdem sagen wir es dir ohne Umschweife: KI ersetzt das professionelle menschliche Lektorat nicht — sie bereitet es vor. Drei Dinge kann sie dir heute nicht geben:
- Das redaktionelle Urteil. Zu entscheiden, dass eine Nebenhandlung überflüssig ist, dass Kapitel 12 vor Kapitel 9 gehört oder dass dein Erzähler im zweiten Akt an Kraft verliert, verlangt das Lesen eines Lektors: mit Handwerk, mit Distanz und mit Verantwortung fürs Ganze. Eine KI kann Symptome markieren; die dramaturgische Diagnose bleibt menschlich.
- Die letzte Korrekturmeile. Ein professionelles Korrektorat wendet die feinen typografischen und orthografischen Kriterien an — Gedankenstrich versus Bindestrich, Anführungszeichen, einheitliche Schreibweisen über 400 Seiten, Grenzfälle der amtlichen Rechtschreibung — mit einer Trefferquote, für die du genau bezahlst. KI reduziert das Rauschen enorm, aber diese letzte Runde unterschreibt sie nicht mit professioneller Garantie.
- Die Verbindlichkeit eines Auftrags. Ein professionelles Lektorat gibt dir ein schriftliches Angebot, Termine, eine Rechnung und jemanden, der haftet, wenn etwas schiefgeht. Das ist eine Dienstleistung mit rechtlicher Grundlage, keine Softwarefunktion — und kein Werkzeug, auch nicht Aura in Scriptum, beansprucht diesen Platz.
Die vernünftige Arbeitsteilung 2026 sieht so aus: Die KI fegt das Mechanische weg, mit dir am Steuer — und der Profi liefert Urteil und Garantie. Wer dir erzählt, KI mache alles, verkauft dir heiße Luft; wer dir erzählt, KI tauge nichts, genauso.
Wie du dein Lektorat auswählst und was ins Angebot gehört
Du weißt jetzt, was es kosten kann und wie du sauber anlieferst. Bleibt das Wichtigste: gut auswählen. Das ist die Checkliste, die wir bei unserem eigenen Roman benutzen würden:
- Probelektorat. Zwei, drei Seiten aus deinem Manuskript (viele Profis bieten es an, teils kostenlos, teils pauschal). Es ist der einzige Weg, ihr Urteil an deiner Stimme zu sehen statt an einem fremden Text.
- Leistung schriftlich. Im Angebot muss „Lektorat“ oder „Korrektorat“ stehen — mit dem, was genau enthalten ist, und der Zahl der Korrekturdurchgänge (ein seriöses Lektorat schließt eine Durchsicht der Änderungen ein).
- Einheit, Preis und Zählung. Der Profi-Trick von oben: €/Normseite samt Zeichenzahl der Normseite, auf Basis welcher Zählung und mit welchem Werkzeug.
- Termin und Zahlungsplan. Liefertermin schriftlich und ein Zahlungskalender (Zahlung in Etappen schützt beide Seiten).
- Steuern. Brutto oder netto? 19 % Umsatzsteuer oder Kleinunternehmerregelung? Wer trägt Gebühren, wenn du aus dem Ausland zahlst?
- Erfahrung in deinem Genre. Wer Romantasy lektoriert, legt andere Kriterien an als wer wissenschaftliche Sachbücher betreut. Frag nach vergleichbaren Titeln.
- Änderungsmodus. Die Lieferung muss mit nachverfolgbaren Änderungen und Kommentaren kommen, damit du jede Entscheidung annimmst oder ablehnst. Es ist dein Roman; das letzte Wort hast du.
Und zwei symmetrische rote Flaggen: der lächerlich niedrige Preis ohne Textprobe und ohne Vertrag (niemand prüft 80.000 Wörter gründlich für 100 €) — und das sündteure Angebot, das weder Leistungsumfang noch Lieferergebnisse benennt. Ein billiges Lektorat, das wiederholt werden muss, ist das teuerste von allen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Lektorat für einen Roman mit 100.000 Wörtern?
Mit den in diesem Artikel zitierten öffentlichen Preisen (Juli 2026): 100.000 Wörter entsprechen grob 600.000 Zeichen. Bei SKRIPTART (Normseite à 1.500 Zeichen, also 400 Normseiten) käme ein reines Korrektorat ab etwa 1.600 € und das Paket aus Korrektorat plus Romanlektorat auf rund 4.800 €. Bei Fehler-Haft (Normseite à 1.700 Zeichen, also rund 353 Normseiten) läge das Lektorat bei etwa 3.340 € und die Minimalkorrektur bei etwa 860 €. Zum Vergleich die EFA-Spannen aus den USA: Copyediting 2.000 bis 2.700 $, Line Editing 2.700 bis 3.500 $. Das sind Rechnungen mit konkreten, öffentlichen Preisen — kein Branchendurchschnitt. Hol immer ein Angebot für deinen Text ein.
Was kommt zuerst: Lektorat oder Korrektorat?
Zuerst das Lektorat, dann das Korrektorat und — wenn das Buch gesetzt wird — zum Schluss die Druckfahnenkorrektur. Der Grund ist simpel: Das Lektorat schreibt Sätze um, und jede Umformulierung kann neue Fehler einschleusen. Wer das Korrektorat bezahlt, bevor der Stil steht, bezahlt es am Ende doppelt.
Kann ich ohne Lektorat bei Amazon veröffentlichen?
Können schon: Amazon KDP verlangt kein professionelles Lektorat. Die Frage ist, ob es klug ist. Rechtschreib- und Grammatikfehler gehören zu den häufigsten Gründen für negative Rezensionen. Wenn das Budget nicht für alles reicht, priorisiere eine gründliche Selbstüberarbeitung mit KI und mindestens ein professionelles Korrektorat vor der Veröffentlichung.
Kann KI das menschliche Lektorat ersetzen?
Nein. KI ist stark bei allem Mechanischen: Wiederholungen, Füllwörter, Kongruenzfehler, offensichtliche Tippfehler. Aber sie ersetzt weder das redaktionelle Urteil eines Profis noch die letzte feine Korrekturrunde nach Duden-Kriterien, und auch nicht die Verbindlichkeit eines Auftrags mit Angebot, Termin und Rechnung. Nutze KI, um mit einem sauberen Text ins Lektorat zu gehen und weniger Arbeitsstunden zu bezahlen — nicht, um den Profi zu überspringen.
Woran erkenne ich ein faires Angebot?
Rechne alles auf dieselbe Einheit um — Euro pro Normseite, inklusive der Frage, wie viele Zeichen die Normseite des Anbieters hat — und vergleiche mit öffentlichen Preisen wie den in diesem Artikel zitierten. Bitte um ein Probelektorat von zwei, drei Seiten, lass dir Leistungsumfang und Korrekturdurchgänge schriftlich geben, und misstraue dem Überteuerten ohne Begründung genauso wie dem verdächtig Billigen.
Wie lange dauert ein Romanlektorat?
Eine veröffentlichte Standardfrist gibt es nicht: Es hängt von Umfang, Textzustand und Auslastung des Lektorats ab. Sicher ist: Ein kompletter Roman wird in Wochen gerechnet, nicht in Tagen, und Expressaufträge kosten meist Aufschlag. Lass dir den Liefertermin schriftlich ins Angebot schreiben und plane deinen Veröffentlichungstermin mit Puffer.
Was ist eine Normseite?
Die Normseite ist die klassische Abrechnungseinheit des deutschen Buchmarkts: historisch 30 Zeilen à 60 Anschläge. Der VFLL beziffert sie auf rund 1.500 bis 1.650, selten auch 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Genau deshalb musst du bei jedem Seitenpreis nachfragen, mit wie vielen Zeichen der Anbieter rechnet: Dieselben 4 € pro Normseite sind bei 1.500 Zeichen ein anderer Preis als bei 1.800. Für Vergleiche rechnest du am besten alles in Euro pro 1.000 Zeichen um.
Fazit: bezahl für Urteil, nicht für Nebel
Was kostet ein Romanlektorat? Jetzt hast du die erwachsene Antwort: von rund 690 € für ein Korrektorat nach den zitierten deutschen Preislisten bis 3.840 € für ein Komplettpaket — und in den USA bis 2.800 $ für ein Developmental Editing —, während der VFLL aus gutem Grund gar keine Tarife nennt. Aber versteif dich nicht auf die Zahl: Versteif dich darauf zu wissen, was du kaufst. Entscheide die Stufe, bring alle Angebote auf dieselbe Einheit samt Normseitendefinition, verlang Textprobe und schriftliches Angebot — und liefere dein Manuskript so sauber an, dass der Profi seine Stunden in das stecken kann, was dein Buch wirklich hebt. Das Lektorat ist nicht die letzte Mautstelle vor der Veröffentlichung; es ist die letzte Überarbeitung, nur eben mit Expertenhilfe. Wenn du gerade entscheidest, welchen Weg dein Roman danach nimmt, leg dir den Vergleich Self-Publishing oder Verlag und die Anleitung Roman bei Amazon KDP veröffentlichen daneben. Das am besten investierte Geld in deinen Roman ist das, das erst fließt, wenn du deinen Teil schon erledigt hast.